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Myanmar 2018 - ein kritischer Rückblick

Shwedagon Pagode 2018 in Yangon, Myanmar
Shwedagon Pagode 2018 in Yangon, Myanmar

Nach 2006 kehrte ich im Januar 2018 nach Myanmar zurück. Mich hat es fast aus den Socken gehauen, wie schnell sich dieses Land verändert - leider nicht nur zum Guten.

War es 2006 noch ein richtiges Abenteuer, Myanmar zu besuchen, steht heutzutage auf der Hauptroute Yangon-Bagan-Mandalay-Inle Lake sämtliche touristische Infrastruktur bereit.

2006 gab es keine Geldautomaten. Man musste sämtliches Bargeld mitnehmen. Ging einem das Geld aus, hatte man ein echtes Problem. Bargeld konnte man auf der Bank zu einem grottenschlechten Wechselkurs wechseln. Auf dem Schwarzmarkt kriegte man aber das sechs- bis siebenfache. Dollars waren gesucht, um damit westliche Konsumgüter kaufen zu können. Dazu musste man sich abends bei der Sule Pagode in Yangon herumschleichen. Relativ schnell wurde man von einem Geldwechsler angesprochen.

Bei schummrigem Licht in einer Seitengasse wechselten die Dollars ihren Besitzer.

Und die Dollars mussten makellos aussehen, sonst wurden sie nicht angenommen.

 

Internet funktionierte sehr schlecht und mindesten fünfmal täglich hatte man einen Stromausfall.

 

Heutzutage steht fast an jeder Ecke ein ATM, sogar in der Shwedagon Pagode in Yangon stehen welche in den Eingangsbereichen. Jeder läuft mit einem Handy rum – meist sogar aktuelle Modelle.

Trishaws sind in den Städten leider gänzlich verschwunden. Vereinzelt sieht man sie noch rostend am Strassenrand rumstehen.

Auch fällt auf, dass zumindest in den Städten etliche Teenager den westlichen Kleiderstil übernommen haben. Zerschlissene skinny Jeans, T-shirt und Kapuzenpullover. Der schicke Longyi (Wickelrock) den die Männer tragen, sieht man in den Städten immer seltener.

 

Den Burmesen erlebte ich immer noch als ausgesprochen freundlich und zuvorkommend. Auf einer Reise ist das für mich immer schon die halbe Miete - sich willkommen zu fühlen.

Bauer ausserhalb von Bagan, der sich nach der Arbeit im einem Bambus-Liegestuhl ausruht.

In Bagan erlebte ich damals einen ganz magischen Moment. Mit dem Hühnerbus kam ich morgens um 5 Uhr an. Völlig gerädert von der langen Fahrt aus Yangon. Der Busfahrer setzte mich vor de Shwezigon Pagode ab. Kein Mensch war weit und breit zu sehen.

Orientierungslos lief ich eine Strasse runter, bis mir ein Ochsenkarren entgegenkam. Irgendwie konnte ich mich verständlich machen, dass ich ein Hotel suchte.

Der Bauer bat mich, auf dem Karren Platz zu nehmen und im Schritttempo fuhren wir aus Bagan heraus direkt in den Sonnenaufgang hinein. Ausserhalb lud er mich dann beim einem uralten Hotel ab.

Diese Fahrt mit dem Ochsenkarren war wie eine Zeitreise für mich. Wir konnten uns nicht verständigen – aber irgendwie passt es für beide.

Magisch, wie der dunkle Himmel langsam der Morgenröte wich und die Nebelschwaden im Pagodenfeld zu leuchten begannen.

Von mir aus, hätte diese Fahrt nie enden können.

Pagodenfeld von Bagan beim Sonnenaufgang - nach wie vor ein magischer Anblick!

Mit einer Kutsche erkundete ich am nächsten Tag das Pagodenfeld von Bagan. Den ganzen Tag sah man kaum andere Touristen. Die Pagoden hatte man für sich ganz alleine.

 

Bagan hatte damals eine ganz besondere Ausstrahlung.

Heute ist das Pagodenfeld mit Touris geflutet. Ganz schlimm sind aus meiner Sicht die Cars, die Heerscharen von Gruppentouris vor den Pagoden rausspülen.

 

Wobei ich mir natürlich bewusst bin, dass auch ich ein Tourist bin…

Vorbei ist es tagsüber mit der Magie und der Ruhe in den Tempeln. Glück hat, wer nicht von einem Selfie Stick abgeschossen wird…


Bagan 2006 - ein Traum! Allein war ich mit diesem Kutscher einen Tag lang auf dem Pagodenfeld unterwegs. Ein halbes Dutzend Backpacker verirrten sich damals nach Bagan.

Die gleiche Pagode 2018 - ein touristischer Super-GAU: Massentourismus bis einem schlecht wird.


Dennoch war 2018 ich vier Tage in Bagan unterwegs. In den etwas weiter entfernten Tempeln trifft man glücklicherweise nur noch wenige Touris an.

Was ich dafür wirklich genossen habe, ist, dass man überall E-Roller mieten kann. Mit einer Batterieladung kann man gut ausgedehnte Erkundungstouren unternehmen. Der Saft reicht entweder einmal um das Pagodenfeld herum oder zweimal die Strecke Nyaung-U old Bagan hin und zurück.
Die Batterianzeige im Blick zu behalten schadet nicht - abends sieht man immer mal wieder Touris, die ihre E-Roller heimschieben müssen - auch mir ging 4km vor meiner Unterkunft der Strom aus. Ein Burmese schob mich mit seinem Töff dann nach Hause - auch das ist Myanmar!

Meine Unterkunft hatte ich in Nyaung-U. Dieser Ort bietet mittlerweile sämtliche touristische Infrastruktur an. Vor allem abends kann man gemütlich in einem der unzähligen Restaurants preiswert und gut speisen.

2016 erschütterte ein schweres Erdbeben Bagan. Es entstanden grosse Schäden. Vor allem die Stupas der grossen Tempel sind immer noch eingerüstet. Viele kleine Tempel sind wegen Einsturzgefahr geschlossen. Es wird wohl noch Jahre dauern, bis alle Schäden behoben sind.
Aber es wird fleissig renoviert - wie die beide unteren Vergleichsbilder des Ananda Tempels zeigen.

Ananda Tempel 2018

Ananda Tempel 2006


2018 zur Tockenzeit am Ufer des Irrawaddy Flusses in old Bagan. Hier geht das Leben immer noch gemächlich seinen Lauf.

2006 zur Regenzeit am Ufer des Irrawaddy Fluss.


Ich habe mich mit meinen Ausführungen vor allem auf Bagan beschränkt. Es ist klar, jedes Land entwickelt sich weiter und will am "modernen Leben" teilhaben und sich ein Stück vom Kuchen des Wohlstandes abschneiden.
Es kann nicht sein, dass ein Land in seiner Entwicklung stehen bleibt und zu einem Museum wird. Und den Tourismus auf ein erträgliches Mass zu begrenzen, ist kaum möglich. Ich wohne in Luzern und kann ein Lied davon singen: Im Sommer wird die Stadt von Asiaten geflutet.
Aber eben, als Backpacker wurde ich bisher überall auf der Welt willkommen geheissen und habe auch zum Massentourismus beigetragen.

Jetzt gilt es Gegenrecht zu halten; sei es in der Schweiz, in Myanmar oder sonst wo auf der Welt.

Fazit - ist Myanmar immer noch eine Reise wert?

Ja klar, absolut!
Auch wenn ich mich eher kritisch geäussert habe, ist Myanmar immer noch ein prächtiges Reiseland.
Die Menschen sind ausgesprochen freundlich mit der typisch asiatischen Zurückhaltung. Und wer von Tempeln und Stupas nicht genug  bekommen kann, fühlt sich in Myanmar im Paradies.
Die touristische Infrastruktur wird rasant vorangetrieben: Ausbau des Strassennetzes, komfortable Reisebusse, steigende Anzahl Unterkünfte aller Preiskategorien inkl. Wifi usw. Und sind wir ehrlich: Hühnerbusse habe ich zur Genüge erlebt - auf dieses "Abenteuer" kann ich mittlerweile nun wirklich verzichten.
Das Preisniveau ist allerdings deutlich höher als z.B. in Thailand. Vor allem die Unterkünfte sind - gemessen an der erbrachten Leistung - eher überteuert.
Wer allerdings die touristischen Trampelpfade auf der Route Yangon-Bagan-Inle See-Mandalay verlässt, kann immer noch sehr viel Ursprüngliches entdecken. Beispielsweise Mrauk U, das Bergland im Norden und selbst der Ngapali Strand im Süden von Yangon gilt immer noch als "Geheimtipp".

Pagoden leuchten im Morgenlicht von Bagan

Bauern treiben in Bagan ihr Vieh durch die trockene Landschaft zu einem Wassertümpel.


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13.04.2018

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